Über Erblindung
Unterhält man sich mit Menschen, stellt man oft fest, dass viele die völlige Erblindung als das schlimmste empfinden, was ihnen passieren könnte. Dies ist im ersten Moment auch nachvollziehbar, da jeder das Gefühl kennt, nicht zu sehen. Sei es bei vollkommener Dunkelheit draußen oder bei einem Erlebnis im Dunkeln, wie es beispielsweise das Dunkelkaufhaus in Wetzlar bietet. Es gibt aber nicht nur sehend und blind, sondern eine ganze Menge dazwischen. Während in Deutschland ca. 155.000 vollblinde Menschen leben, wobei die Zahl der unter 18jährigen seit 1990 leicht rückläufig sein soll, ist die Zahl der sehbehinderten deutlich höher. Zählt man Brillenträger dazu, die ohne Brille beispielsweise ja auch als sehbehindert gelten könnten, wäre die Anzahl riesengroß.
Zwischen den Brillenträgern als solchen und den vollblinden Menschen gibt es allerdings noch eine Zahl von Menschen, bei denen eine Brille die Sehfähigkeit nicht verbessern kann, die aber auch nicht als blind eingestuft werden. Diese haben eine Restsehfähigkeit von etwa 10% (Visus 0,1) und weniger. Da jedoch jede einzelne Sehschädigung individuell betrachtet werden muss, sind Zahlen hier wenig hilfreich. Tatsächlich gibt es Menschen, die eine Restsehfähigkeit von 2% effizienter nutzen können, als jemand mit über 10%. Das liegt an unterschiedlichen Faktoren, wie Breite des Gesichtsfeldes oder auch Blendempfindlichkeit. Verfügt jemand beispielsweise über ein sehr enges Gesichtsfeld (vergleichbar mit dem Blick durch eine Röhre oder Schlüsselloch), kann er möglicherweise punktuell sehr gut und scharf sehen, hat dafür allerdings bei der Orientierung Schwierigkeiten. Bei der sogenannten Makuladegeneration (MD) tritt der umgekehrte Fall ein, hier verliert die Makula an Schärfe, während die Iris (quasi das Gesichtsfeld) scharf bleibt.
Möglichkeiten
Egal ob voll erblindet oder sehbehindert gibt es eine Menge von technischen Hilfen, welche den Sehverlust teilweise oder sogar nahezu vollständig ausgleichen können. Sehbehinderte Menschen profitieren neben optischen vergrößernden Lesehilfen (Lupen, Lesegläser) auch von elektronischen Lesehilfen, wie stationäre und tragbare Bildschirmlesegeräte. Im Gegensatz zu einer Lupe können sie den Kontrast verstärkt und variabel abbilden und sogar Farben umkehren und das Bild entsprechend aufbereiten. Für Handy und Computer stehen Vergrößerungsanwendungen bereit, die sogar teils im Betriebssystem integriert sind.
Für blinde Menschen ist es allerdings etwas komplexer, denn hier muss das "nicht gesehene" adaptiv aufbereitet werden, so dass die entsprechenden Informationen das Objekt in Sprache oder Töne adaptieren. Je nach Anwendungsbereich kommen unterschiedliche Hilfstechnologien zum Einsatz. Farberkennungsgeräte ermitteln die Farbe eines Objektes, Vorlesegeräte setzen gedruckten Text in Sprache um, Bildschirmleser für Handy und Computer bereiten die dargestellten Information in akustische auf und präsentieren diese in Sprache oder Blindenschrift, Orientierungstöne können ebenfalls zur Abgrenzung von Informationen verwendet werden. Für die Orientierung stehen Blindenlangstöcke oder -Führhunde zur Verfügung.
Hilfen
Blinde und sehbehinderte Menschen profitieren in Deutschland von einer Menge Hilfen, welche dazu beitragen, die Behinderung in hohem Maße auszugleichen. Keine andere Behindertengruppe bekommt derartig viel Unterstützung, was sicherlich auch daran liegt, dass die Lobby der blinden und sehbehinderten Menschen sehr groß ist. Neben dem Landesblindengeld übernehmen Krankenkassen viele der im Alltag benötigten Hilfsmittel. Zudem sorgt die Wertmarke für eine Kostenbefreiung im öffentlichen Nahverkehr und berechtigt dem blinden oder sehbehinderten Menschen, eine Begleitperson mit mitzunehmen. Auch ein Kraftfahrzeug kann, wenn es sich im Besitz eines Blinden befindet, Trotz Wertmarke steuerfrei gehalten werden. Blinde selbständige haben die Möglichkeit, sich von der Umsatzsteuer zu befreien. Desweiteren werden Unternehmen, die blinde (und generell schwerbehinderte) Menschen beschäftigen, finanziell entlastet und benötigte Hilfsmittel werden von Kostenträgern übernommen.
Nähere Informationen zum Thema finden Sie im Internet auf zahlreichen Seiten oder beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband in Berlin.