Bildschirmlesegeräte
Was sind Bildschirmlesegeräte?
Dieses Hilfsmittel erweist sich nach wie vor bei vielen Sehbehinderten als wichtigstes für Arbeit und Freizeit. Es handelt sich dabei um ein foto-optisches System, das aus einer Kamera, einem Monitor und einer beweglichen Fläche (Kreuz- oder Lesetisch) für die Vorlage besteht. Die Vorlage kann auf dem Tisch unterhalb der Kamera bewegt und auf dem Bildschirm optisch vergrößert dargestellt werden, die Vergrößerung ist variabel. Die meisten Geräte verfügen über eine Farbdarstellung, die Bildschärfe wird automatisch eingestellt. Zur Verbesserung von Kontrast bei Textvorlagen kann die Farbe invertiert werden (weiß auf schwarz), auch die Darstellung in "Falschfarben" (z.B. gelb auf blau) ist eine beliebte Funktion, die sehbehinderten Anwendern hilft, die Lesbarkeit zu verbessern. Da hier die Ansprüche sehr individuell sind, bieten viele Geräte hier auch genügend Spielraum bei der Darstellungswahl.
Varianten
Die Ergonomie und Bauart der einzelnen Geräte ist sehr unterschiedlich. Einige Hersteller bieten kompakte Geräte an, bei denen Kamera und Monitor eine Einheit bilden, dies spart Platz und macht die Geräte noch tragbar. Ein Lesetisch ist für diese Geräte optional nutzbar, aber nicht erforderlich. Die Vorlage liegt vor dem Monitor, der Kamerakopf kann frei bewegt werden und ermöglicht auch das Handarbeiten oder vergrößern der Tafeln in Schulen. Die Geräte sind sehr kompakt und gerade noch tragbar und bieten sich somit an, wenn das Gerät an verschiedenen Orten genutzt werden soll.
Beim klassischen Bildschirmlesegerät hingegen bilden Kreuztisch und Kamera eine Einheit, ein Monitor wird oben auf das Gerät gestellt oder an einer Forrichtung befestigt. Sie sind zwar nicht tragbar, bieten jedoch eine bessere Ausleuchtung der Vorlage und zumeist höhere Vergrößerungsmöglichkeiten. Der Monitor befindet sich in Augennähe, dies ist für viele Sehbehinderungen wichtig. Da er nicht mit dem Grundgerät fest verbunden ist, kann die Größe des Monitors variiert werden. Reicht beispielsweise die Gerätevergrößerung nicht aus, kann ein größeres Display diese noch erhöhen. Monitore im Breitbildformat sind besonders für Patienten sinnvoll, bei denen die Makula (also das Sehzentrum) trübe wird. Diese Bauart wird üblicherweise von den Krankenkassen für die Privatversorgung bereitgestellt.
Es gibt eine Vielzahl von Komfortfunktionen, wie Hilfslinien oder eine elektronische Abdeckung des Textes, Hilfszeiger, Autovergrößerung oder ähnliches. Je nach Anforderungen gibt es Geräte, die nur mit einem Knopf bedient werden, bis hin zu komplexen Systemen, die über einen Computeranschluss mit Bildteilung verfügen, so dass Computer und Vorlage auf einem Monitor entweder im Wechsel oder zusammen angezeigt werden können.
Mobile Kamerasysteme, die als Bildschirm ein Notebook-Display nutzen, indem sie über USB mit dem Computer verbunden sind, eignen sich besonders im Studieneinsatz. Die Kameras sind so flexibel wie bei den kompakten Geräten, der Computer erlaubt das Zwischenspeichern und Nachbearbeiten der Bilder. In Verbindung mit einer Texterkennungsanwendung kann so auch Vorlesegerät und Bildschirmlesegerät auf interessante Weise miteinander kombiniert werden.
Tragbare Geräte
Für die Hosen- oder Aktentasche gibt es extrem kompakte Geräte, die von der Funktionsweise ähnlich arbeiten, wie ihre großen Brüder. Allerdings verfügen diese nicht über einen Kreuztisch, sondern werden direkt auf die Vorlage gelegt, manche arbeiten auch mit Handkamera. Zwar sind sie flexibel einsetzbar, aber aufgrund der Konstruktion sind sie für längeres Lesen eher ungeeignet. Die kleineren Displays ermöglichen auch eine wesentlich geringere Vergrößerung, daher vergleicht man sie auch mit elektronischen Handlupen. Patienten, denen eine Leuchtlupe von Kontrast und Größe nicht mehr reicht, könnten hier eine sinnvolle Hilfe finden. Funktionen, wie das Umkehren der Farben, sorgen auch für höheren Lesekomfort. Während große Bildschirmlesegeräte im Preisbereich ab ca. 2.000 Euro rangieren, kosten die günstigsten, tragbaren Sehhilfen dieser Art etwa ab 300 Euro.
Die Miniaturisierung und Verbesserung bei Displays und Kamerasensoren hat dazu geführt, dass manche Hersteller spannende Lösungen entwickelt haben. So gibt es portable Lesegeräte für die Fernsicht, mit Bildspeicher und der Möglichkeit, Zusatzkameras anzuschließen. Preislich liegen diese Lösungen jedoch im höheren Bereich und sind eher für Arbeitsplätze interessant, wobei die Zweckmäßigkeit mitunter auch angezweifelt werden kann. In jedem Fall ist es ratsam, vor dem Kauf eines Gerätes dies auf Herz und Nieren zu prüfen und zu ergründen, ob die versprochene Funktionalität von individuellem Nutzen ist.
Welches Gerät für wen?
Viele Funktionen, die führe optional erhältlich waren, gehören heute zum Standard. Dazu zählt die Echtfarbwiedergabe, die automatische Scharfeinstellung (Autofocus) und die Möglichkeit, die Vorlage Mittels Hilfslinien oder Flächen abzudecken. Die Beleuchtung erfolgt üblicherweise per Kaltlicht oder mit LED-Beleuchtung, daher sind aktuelle Geräte in der Regel blendfrei. Im Privateinsatz finden sich üblicherweise Geräte mit 43cm Bildschirm, wenigstens Falschfarbdarstellung und Flachbildschirmen. Röhren werden heute üblicherweise nicht mehr verwendet, da die Produktion längst eingestellt wurde. Kriterien, wie Strahlungsarmut und Flimmerfreiheit sind damit Geschichte, auch wenn trotzdem auf den sogenannten "Nachzieheffekt" geachtet werden sollte. Geräte, die am Arbeitsplatz eingesetzt werden, sollten über einen PC-Anschluss verfügen. In Schulen sind Tafelkameras sinnvoll, sowie Geräte in besonders robuster Bauweise. Die Kostenübernahme im Privatbereich übernimmt die Krankenkasse, während am Arbeitsplatz der jeweilige Träger je nach Beschäftigungsverhältnis zuständig ist.